Bastian Schweinsteiger klopfte verwundert von innen an die Fensterscheibe, auch Rafinha, Jörg Butt und Philipp Lahm trauten zunächst ihren Augen nicht.
Rafael Benitéz, der Coach, der mit dem FC Liverpool 2005 die Champions League gewann, stand direkt vor ihnen auf dem Trainingsgelände.
Kameras schwenkten zum Spanier herüber, das Training des FC Bayern am Montagmorgen, das ohne die Nationalspieler stattfand, war ohnehin unspektakulär.
Keine Mauer, Benitéz staunt
Doch der Startrainer war nicht etwa gekommen, um mit den Münchner Bossen einen Vertrag auszuhandeln, sondern komplett aus Eigeninteresse. Benitéz arbeitet als TV-Experte für Eurosport, war in dieser Funktion am Sonntag beim 2:0-Sieg gegen den FC Schalke in der Allianz Arena und nutzte die Wartezeit bis zum Abflug für einen Abstecher zum deutschen Rekordmeister.
"Ich wollte gerne wissen, wie das Vereinsgelände strukturiert ist", sagte er zu Daniel Rathjen, Ressortleiter Fußball bei eurosport.yahoo.de, der ihn dorthin begleitete. Nach einem ersten Eindruck der Plätze befand er: "Sehr schön ist es hier, geradezu familiär. Dass die Fans zuschauen können, ist ungewohnt. In England oder Italien hätten sie das ganze Gelände mit einer hohen Mauer abgeschottet."
Nach einem kurzen Plausch mit Schweinsteiger, bei dem er sich nach dessen fortschreitender Genesung erkundigte, begrüßte Bayern-Präsident Uli Hoeneß den prominenten Gast noch persönlich.
"Ich will zu einem Top-Klub"
Mit einem Rundgang durch den Spielertrakt, Trainerbüro, Playerslounge, Reha-Zentrum und Mediencenter endete der Besuch für Benitéz. Ob er demnächst häufiger in der Bundesliga anzutreffen ist?
"Warum nicht? Wir werden sehen. Ich warte auf Angebote", verriet er. Deutschland gehöre jedoch nicht zur allerersten Wahl. "Ich will zu einem Top-Klub und Titel gewinnen. Das ist mein Ziel. Dabei ist England meine Präferenz."
Benitéz lebt momentan in Liverpool, sichtet Spiele und entwickelt eine Trainer-Software. Der 51-Jährige arbeitete insgesamt sechs Jahre bei den "Reds" und war zuletzt bei Inter Mailand tätig, wo er im Dezember 2010 entlassen wurde.