Der Kampf um die Meisterschaft zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern München erreicht an diesem Mittwoch seinen Höhepunkt. In Sachen Marktwert haben die Bayern klar die Nase vorn. Doch schon Otto Rehhagel wusste: "Die Wahrheit liegt auf dem Platz!"
Borussia Dortmund geht mit drei Punkten Vorsprung in die Begegnung mit den Bayern. Bei einer Heimniederlage würde der BVB seine Spitzenposition in der Bundesliga jedoch wegen des besseren Torverhältnisses an die Gäste aus München verlieren. Der deutsche Rekordmeister verfügt sowohl über die beste Offensive als auch die beste Defensive der Liga.
Im Schnitt sind die Mannen von Trainer Jürgen Klopp ein Jahr jünger als ihre Konkurrenten aus der Hauptstadt Bayerns. In Sachen Erfahrung haben dementsprechend die Bayern-Stars die Nase vorne und verfügen über rund 500 Bundesligaeinsätze mehr als Dortmunder.
Vergleicht man den Marktwert der beiden Kader, geht der Punkt klar an den Rekordmeister. Über den höchsten Marktwert beim BVB verfügt Youngster Mario Götze für den 30 Millionen Euro aufgerufen werden. Getoppt wird das, aufseiten der Münchner, von Torjäger Mario Gomez den man auf 42 Millionen Euro schätzt.
Bundesliga - Geheimtraining vor dem "Gigantengipfel"
Der FC Bayern schottet sich ab, um sich voll auf das Mega-Duell mit Borussia Dortmund vorzubereiten. Die Protagonisten geben sich öffentlich bewusst kleinlaut. Doch in ihnen kocht es, denn sie sind heiß auf die Revanche und Platz eins.
Es war deutlich spürbar, wie sehr die Bayern den Ball flach halten wollten.
In der Mixed Zone nach dem Sieg gegen den FC Augsburg auf dem Weg nach Hause war süffisantes Lächeln und Schulterzucken angesagt.
Es war die gespielte Gelassenheit vor dem Gigantengipfel gegen Borussia Dortmund am Mittwoch (20:30 Uhr im Liveticker auf eurosport.yahoo.de). Was entscheidend sein wird? Bayern-Stürmer Mario Gomez antwortete: "Ein Tor mehr zu schießen als Dortmund." Thomas Müller fügte an: "Wir stecken so drin in den englischen Wochen. Noch denken wir nicht an Dortmund." Aha.
Doch spätestens ab heute gilt: Volle Konzentration auf Dortmund. Die Tore am Vereinsgelände an der Säbener Straße sind geschlossen, das Training findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Nur keine Ablenkung, ist das Motto. Denn mit einem Sieg könnte der FC Bayern wieder die Spitze übernehmen. Allein diese Tatsache ist Motivation genug für die Münchner.
Lahm: "Wir mögen so etwas"
"Natürlich ist es für uns wichtig, am Mittwoch zu gewinnen. Dann ist man vorne und dann will man die Tabellenführung natürlich nicht mehr hergeben. Dass das nicht leicht wird, steht außer Frage", weiß Kapitän Philipp Lahm. Er merkte auf Nachfrage von eurosport.yahoo.de an: "An unseren Erfolgen sieht man, dass wir so etwas mögen. Solche Wochen, wo es um alles geht."
Rechtzeitig zum Endspurt hat der Rekordmeister ordentlich Tempo aufgenommen und zügelt sich nur beim Thema Kampfansagen. "Wir haben ein großes Spiel vor uns, in dem die beiden besten deutschen Mannschaften aufeinandertreffen. Da ist alles möglich. Beide werden motiviert sein. Ich bin sicher, dass wir alles in die Waagschale werfen werden - und das ist einiges", sagte Bayerns Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge immerhin vorsichtig angriffslustig.
Bei derzeit drei Punkten Rückstand auf Dortmund stehe der FC Bayern, am Samstag 2:1-Sieger gegen den FC Augsburg, "unter größerem Druck", ergänzte Rummenigge: "Bei einer Niederlage ist die Meisterschaft abgehakt. Wir haben Respekt, aber wir brauchen keine Angst zu haben."
Man dürfe sich in diesem "Gigantengipfel keinen Fehler erlauben, weil es sein kann, dass das dieser eine Fehler zu viel ist und du als Verlierer vom Platz gehst". So wie im Hinspiel, als es durch eine kleine Unaufmerksamkeit das entscheidende Gegentor durch Mario Götze setzte.
Nerlinger erwartet "Fußballfest"
Auch Bayerns Sportdirektor Christian Nerlinger wollte vor dem "Fußballfest" keine allzu großen Töne spucken, er stellte lediglich fest, dass sein Team die letzten neun Spiele "in einer beeindruckenden Art und Weise" gewonnen hätte.
Noch herrscht die Ruhe vor dem Orkan, den die Münchner am Mittwoch im Signal-Iduna-Park starten wollen. Bis dahin bleibt nichts anderes übrig, als vorwiegend zwischen den Zeilen zu lesen.
Nerlinger fügte immer an, dass der FC Bayern "auf der Titelgeraden" schon so selbstbewusst sei, "um zu sagen, dass wir diesen Titelendspurt für uns entscheiden". Die Schale ist weiter fest im Visier.
"Es wäre schlimm, wenn der FC Bayern die Meisterschaft zwei Jahre in Folge nicht holt", ist Lahm bewusst. Deshalb heißt die Devise: Abschotten und abgehen, wenn es gefordert ist. Mit der Taktik sind die "Roten" zuletzt gut gefahren.
"Es liegt an uns. Dortmund wird frisch sein. Aber uns liegt der Drei-Tages-Rhythmus", machte Gomez deutlich.