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Macau. Diese fünf Buchstaben lassen das Herz eines jeden Rennfahrers
höher schlagen. Inmitten der asiatischen Spielerstadt wartet nämlich der
berühmt-berüchtigte Guia Circuit darauf, einmal pro Saison von den
Piloten unter die Räder genommen zu werden. 6,117 Kilometer purer
Wahnsinn.
So könnte man die Rennstrecke in Macau beschreiben. Ein würdiger Platz für das WTCC-Saisonfinale!
Wie üblich geht die Tourenwagen-WM in der chinesischen
Sonderverwaltungszone aber nicht alleine an den Start, sondern teilt
sich den spektakulären Guia Circuit wieder mit anderen Meisterschaften.
In Macao steht die WTCC ohnehin nicht im Vordergrund, denn diese Rolle
nehmen die Nachwuchsfahrer der Formel 3 ein. Der Macao-Grand-Prix dieser
Rennserie gilt schon seit geraumer Zeit als Klassiker.
Bei den beiden finalen Sprintrennen der WTCC ist jedoch meist
ebenfalls Hochspannung geboten: Mit Ausnahme der vergangenen Saison fiel
die Titelentscheidung nämlich bisher stets in den Straßen der
Casino-Hochburg. Das bevorstehende Ende des Rennjahres verleitet die
Piloten in Macao mitunter eh dazu, vielleicht noch etwas mehr zu wagen
als üblich. Crashs in der Startrunde sind keine Seltenheit.
Motorsport hat in Macao schon Tradition
Dies liegt aber nicht zuletzt an der schwierigen Rennbahn, die den
Fahrern auf über sechs Kilometern Länge einfach alles abverlangt - und
das schon seit den 1950er-Jahren. Die Anfänge des Rennevents auf dem
Guia Circuit datieren nämlich aus dem Jahr 1954. Und was als Schatzsuche
in der Stadtmitte begann, entwickelte sich bald zu einem Amateurrennen,
das bis 1966 regelmäßig durchgeführt wurde.
1967 waren erstmals Motorräder mit von der Partie, ehe 1972 das
erste Tourenwagen-Rennen über die Bühne ging. Elf Jahre danach luden die
Veranstalter zum ersten Mal die besten Formel-3-Piloten nach Macau ein,
um in den Straßen der illustren Stadt die inoffiziellen
Weltmeisterschaften für diese Nachwuchsklasse auszurichten. Bis heute
pilgert die Crème de la Crème der Formel 3 nach Macao.
Das erste Formel-3-Rennen auf dem Guia Circuit entschied übrigens
ein junger Ayrton Senna für sich. Der brasilianische Rennfahrer sollte
schon kurz darauf auch in der Formel 1 für Furore sorgen, ist aber nicht
der einzige prominente Sieger des Grand Prix' in der Spielerstadt.
Michael Schumacher nutzte die Formel 3 einst als Sprungbrett und drückte
dem Macau-Rennen 1990 seinen großen Stempel auf.
Ein Blick in die Siegerlisten von Macau
Im Jahr danach war David Coulthard nicht zu schlagen, in Ralf
Schumacher (1995), Ralph Firman (1996), und Takuma Sato (2001) waren
noch weitere drei spätere Formel-1-Fahrer erfolgreich in Macau am Start.
In den Siegerlisten finden sich aber auch bekannte Tourenwagen-Größen
wie Rickard Rydell (1992) oder Jörg Müller. Letzterer fuhr 1993 zum
Formel-3-Sieg in Macau.
Der Deutsche ist übrigens bis heute der einzige Rennfahrer, der in
jüngster Zeit sowohl in der Formel 3 als auch im Tourenwagen das oberste
Siegertreppchen erklimmen konnte. Übertroffen wird Müller nur noch von
John MacDonald. Der für Hongkong fahrende Brite war im Macao der
1970er-Jahre das Maß aller Dinge und siegte sowohl im Formelauto als
auch im Tourenwagen und auf dem Motorrad.
Diese Leistungen wurden bislang nicht wiederholt oder gar
übertroffen. Mehrfach-Sieger gibt es aber auch in der WTCC. Seit 2010
hält Rob Huff (Chevrolet) den Rekord in dieser Kategorie: Der Brite fuhr
2008, 2009 und 2010 jeweils bei einem Rennen als Erster über die Linie.
Bei den Marken teilen sich BMW und Chevrolet mit je fünf Erfolgen den
ersten Platz beim berühmten Stadtrennen von Macao.
Eine der schwierigsten Strecken überhaupt
Das "Monaco des Ostens" gilt als eine der anspruchsvollsten Pisten
der Welt, die nicht nur durch ihre - für einen Stadtkurs ungewöhnliche -
Länge besticht. In den neun Runden, welche die WTCC-Fahrer auf dem Guia
Circuit zurücklegen müssen, werden Mensch und Maschine enorm
strapaziert. Neben einer langen Vollgas-Passage gibt es schließlich auch
einen sehr kurvenreichen Mittelabschnitt.
Kurzum: Macau bietet alles, was das Rennfahrer-Herz begehrt. Oder
wie es Tom Coronel (ROAL) ausdrückt: "Macao ist der schwierigste Kurs
der Welt und die Nummer eins in unserem Kalender." Einmalig ist der Guia
Circuit aber auch aufgrund seiner Streckenführung, die sowohl die
schnellste Ecke (Mandarin) als auch die langsamste Kurve (Melco) der
gesamten Rennsaison beinhaltet.
Laut DTM-Pilot Ralf Schumacher ist in der Spielerstadt nicht nur
beim Zocken großer Einsatz gefragt. "Der Kurs ist nicht ohne und es
kommt darauf an, dass man eine gehörige Portion Mut hat. Du musst dich
wohlfühlen im Auto, denn die Strecke lässt keine Fehler zu", sagt der
Deutsche. "In der Formel 3 hatte man perfekte Runden absolviert, wenn
die Reifenmarkierung danach nicht mehr lesbar war..."
Muller vs. Huff: Wer macht das Rennen?
Bei der WTCC gehen indes üblicherweise zuerst die Rückspiegel
flöten, wenn sich die Fahrer dem Limit und dabei auch den schwarz-gelben
Leitplanken nähern. Eine Fahrt in Macau ist eben auch ein großer
Balanceakt, den es bei einem Starterfeld in der Größe von über 25
Rennwagen erst einmal zu meistern gilt. Für zwei Piloten hat dieses
Motto am Wochenende eine ganz spezielle Bedeutung.
Yvan Muller (Chevrolet) und Huff fechten auf dem Guia Circuit
nämlich untereinander aus, wer als Weltmeister 2011 in die
Geschichtsbücher eingeht. Die Trumpfkarten scheint Muller auf der Hand
zu haben, denn bei 20 Punkten Rückstand muss sich sein Rivale schon
gewaltig strecken, um den amtierenden Champion noch abzufangen.
Gleichwohl gilt in Macao viel mehr als irgendwo sonst: Nichts ist
unmöglich.
"Schauen wir einmal, was passiert", sagt Huff vor der
Titelentscheidung. Er werde Muller bis zuletzt einen heißen Tanz bieten.
"Wir geben sicherlich nicht auf. Ich freue mich auf meine
Lieblingsstrecke. Dort stand ich in den vergangenen Jahren stets auf der
Pole-Position." Muller gibt sich indes bedeckt: "Ich denke noch nicht
an die Meisterschaft. Es spielt jetzt keine Rolle, wie groß mein
Vorsprung ist."
Die Privatierwertung ist stark umkämpft
Kristian Poulsen (Engstler), der Führende in der Privatierwertung,
darf sich ebenfalls noch nicht zu sicher fühlen. Dem Dänen sitzen in
Macau gleich vier Konkurrenten im Nacken. Poulsen hat dank seiner 127
Punkte vor Norbert Michelisz (Zengö/104), Michel Nykjaer (Sunred/9

,
Franz Engstler (Engstler/97) und Javier Villa (Proteam/92) die besten
Aussichten auf den Privatfahrer-Titelgewinn.
Doch Vorsicht: Insgesamt sind in Macau noch 43 Punkte zu holen. Beim
Saisonfinale werden nämlich seit jeher doppelte Zähler vergeben,
außerdem sind die Pole-Position und die beiden schnellsten Rennrunden
ebenfalls noch Punkte wert. Entschieden ist indes bereits, dass
Chevrolet und Engstler die jeweiligen Teamwertungen gewonnen haben.
Beide Rennställe fuhren vorzeitig zum Titel.
Die Aufmerksamkeit ruht an diesem Wochenende daher voll und ganz auf
dem Abschneiden der Anwärter auf die ersten Plätze in den
Fahrerwertungen der WTCC. Und nach einhundert - hoffentlich -
aufregenden Rennkilometern verabschiedet sich die Tourenwagen-WM in ihre
Winterpause. Daran verschwenden die Beteiligten auf dem Guia Circuit
aber garantiert noch gar keinen Gedanken...